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VW übernimmt bei MAN das Ruder

Das Schicksal von MAN ist besiegelt. Die Aktionäre haben die VW-Übernahme abgesegnet. Eine reine Formalie. Denn VW hält mehr als 75 % der Anteile an dem Nutzfahrzeugbauer. Am Donnerstag stimmte mit 98,47 Prozent eine große Mehrheit der MAN-Aktionäre einem Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag zu. Es war das Ergebnis einer zehnstündigen Marathonsitzung. Damit verabschiedet sich der Nutzfahrzeugbauer nach 255 Jahren aus der Selbständigkeit und unterstellt sich komplett dem Mehrheitseigner VW. (Börse.ARD.de, 11.6.13/S–)

Rumpelstart – Kommentar von Tobias Dieterich – Ganz ohne Gepolter ging die Hauptversammlung nicht über die Bühne. Doch mit dem derzeitigen Abfindungsangebot zeigten sich viele Kleinaktionäre unzufrieden. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) beklagt sich darüber, dass MAN seine Aktionäre anscheinend nicht anständig behandelt. Die Abfindung von 80,89 Euro je Titel sei zu niedrig. Sie liege unterhalb des aktuellen Aktienkurses von rund 84 Euro. Mehrere Kommentatoren erwarten bereits umfangreiche juristische Auseinandersetzungen, während Aktionärsanwälte rechtliche Schritte andeuten. Der Bernecker-Börsenbrief „AB Daily“ spekuliert über einen höheren Abfindungskurs von mehr als 100 Euro. Ob es dazu kommt, bleibt abzuwarten. Wie dem auch sei: Das Rumpeln und Poltern im Zuge der MAN-Übernahme überrascht hier niemanden und gehört zum guten Ton. Volle Gerechtigkeit kann und wird es bei solchen gesellschafsrechtlichen Prozessen niemals geben. Stets wird sich eine Seite – zu Recht oder Unrecht – benachteiligt fühlen. Hinzu kommen auch emotionale Befindlichkeiten, den 255 Jahre alten Traditionskonzern aus der Selbständigkeit zu nehmen. MAN-Vorstand Georg Pachta-Reyhofen verteidigte das Vorgehen des Mutterkonzerns. Ohne diesen Schritt sei es kaum möglich, die Vorteile der engen Verflechtung mit Volkswagen zu nutzen. Und VW pocht ebenfalls zu Recht darauf, MAN und die zweite Lkw-Tochter Scania enger zusammenführen zu wollen und damit seine Kosten zu senken. Alle Seiten haben ihre guten Gründe. Generalfazit: Die Konfliktlinien verlaufen horizontal, vertikal und diametral und die unterschiedlichen Interessen werden sich wohl kaum jemals zusammenführen lassen. Es kommt nun entscheidend darauf an, dass VW verantwortungsvoll mit seiner neuen Unternehmenstochter und allen ihren Stakeholdern umgeht und ihre Interessen nicht auf dem Altar der reinen Optimierungslehre opfert. An die Adresse der MAN-Stakeholder sei gesagt, dass diese die aktienrechtlich neu gegeben Situation akzeptieren und im (notfalls harten) Dialog die Zukunft innerhalb der VW-Welt mitgestalten. Und für beide Seiten gilt: es ist wie sie ist. Akzeptanz und Fairness lautet nun die Devise.

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