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Hyundai will im Oberklasse-Segment angreifen

Wie der deutsche Chefdesigner Peter Schreyer der Zeitschrift „Auto Motor und Sport” erklärte, soll sich Hyundai künftig stärker von der Schwestermarke Kia nach oben abheben, „Hyundai geht schon mehr in den Premiumbereich”. Er ergänzte: „Beide müssen eine eigenständige Richtung finden.” Während Hyundai die klassischere der beiden Marken sei, strahle Kia mehr Ehrgeiz und Sportlichkeit aus. Nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2012 halten sich die Koreaner auf dem schrumpfenden europäischen Markt derzeit stabil, während die meisten anderen Massenhersteller mit sinkenden Verkaufszahlen kämpfen. (Hessische Niedersächsische Allgemeine online, 10.4.13/S–; u.v.a.)

Auch kleine Hündchen können wachsen und beißen – Kommentar von Frederik Kullmann, Los Angeles: Ist die Meldung, dass Hyundai im Oberklasse-Segment angreifen will eine Meldung wert? Ja und nein! „Ja“ deshalb, als der schnell wachsende Konzern wegen seiner hohen Profitabilität als eine der schärfsten Rivalen für Europas größten Autobauer VW auf dem Weg zur weltweiten Nummer eins gilt. Außerdem muss eine solche Meldung die gerade im Oberklasse-Segment starken deutschen Hersteller zusammenzucken lassen. Eine Offensive im Kernmarkt von VW, Audi und BMW darf das Trio nicht kalt lassen. Dass es die Südkoreaner verstehen, Autos zu bauen, die die Welt braucht, und dass Sie ihre Erfolge in klingende Münze verwandeln können, haben sie mittlerweile zu Genüge bewiesen. Zudem hat Hyundai in den vergangenen Jahren sehr viel richtig gemacht. Das Design ist beachtlich und das Preis-Leistungsverhältnis stimmt auch. Andererseits gehört mehr dazu, den deutschen Herstellern, die über Jahrzehnte hinweg und mit sehr viel Geld ihre Marken aufgebaut haben, das Wasser abzugraben. Die automobile Oberklasse ist stark von Emotionen und Image geprägt – hier Fuß zu fassen ist ein Prozess von Jahren wenn nicht gar von Jahrzehnten. Blogger „Bongo 73“ bringt es – wenn auch etwas überspitzt – auf den Punkt: „Wieder ein weiterer erfolgloser Versuch eines ‚nicht deutschen‘ Herstellers, in der Premium-Klasse Fuß zu fassen… wie schon viele zuvor. (Lexus, Infiniti, Xedos 6 u. 9, Nissan Maxima, Honda Legend, Mitsubishi Sigma, Toyota Camry, etc. etc. ) Ganz gleich, wie toll diese Modelle auch aussehen würden, wie hoch die Qualität wäre, wie fortschrittlich und sparsam der Antrieb wäre…. und selbst, wenn bei all diesen Qualitäten, der Preis 50% niedriger als bei einem deutschen Modell wäre, sowie die Garantiedauer 5x so lang ….. Ergebnis: absolut null Chancen! (Zumindest in Deutschland… ) … So lange vorne am Kühler nicht Audi, BMW oder Benz steht …“ Die Wahrheit liegt wie immer wohl in der Mitte zwischen beiden Extremen. Unser Fazit: der Vorstoß der Südkoreaner stellt derzeit keine Bedrohung für die deutschen Hersteller dar – doch Wachsamkeit kann nicht schaden, denn: Auch kleine Hündchen können wachsen und beißen.

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